Umgebung

Im Naturschutzgebiet "Schwarzwassertal"

Das Schwarzwassertal zwischen Pobershau und Kühnhaide - eines der schönsten Mittelgebirgstäler Deutschlands

 

von Kay Meister

Das Tal der Schwarzen Pockau mit dem Naturschutzgebiet Schwarzwassertal erstreckt sich in einer Höhenlage zwischen 540 und 740 Metern über dem Meeresspiegel. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 6°C und einer Niederschlagsmenge von mehr als 950 mm im Jahr erstreckt sich das Gebiet bis in die faszinierenden rauen Kammlagen des Erzgebirges. Die Schwarze Pockau, auf Grund der Farbe ihres aus den umliegenden Mooren gespeisten Wassers auch Schwarzwasser genannt, hat hier eine Kammhochfläche durchbrochen und ein landschaftlich eindrucksvolles Kerbtal ausgebildet. Der Wanderer erlebt die Schwarze Pockau als naturnahen Gebirgsfluss mit Wildbachcharakter und einem Gefälle von durchschnittlich 3 Prozent. Gesteinsformationen mit sagenumwobenen Namen wie Nonnenfelsen (60 Meter Höhe über dem Fluss), Ring- und Teufelsmauer sowie Katzenstein (80 Meter) charakterisieren die spektakuläre Landschaft aus hohen Felszinnen und Steilhängen entlang des Flusses.

Das Naturschutzgebiet Schwarzwassertal, das sich über eine Fläche von 192 Hektar erstreckt, beginnt in Pobershau am Ende des Ortsteiles Hinterer Grund. Dort befindet sich auch die Naturschutzstation Pobershau. Dahinter tritt der Schwarzwassertalweg in den Wald ein, durchquert das Schutzgebiet und führt, nachdem er kurz zuvor an einer waldfreien Talaue des oberen Schwarzwassertals das Schutzgebiet verlassen hat, weiter Richtung Kühnhaide.

Wie in einem geologischen Lehrbuch gewährt das Tal der Schwarzen Pockau interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Erzgebirges: Schroffe Gneisformationen, Blocksteinhalden und aus den Hängen fließende Quellbäche mit kleinen Wasserfällen sind Zeugen der gewaltigen Urkräfte der Natur, die das Landschaftsbild formten. Das blockreiche Flussbett der Schwarzen Pockau vermittelt auch heute noch ein lebendiges Bild der formenden Naturkräfte. Als Bestandteil eines Gesteinskörpers, welcher sich von Reitzenhain bis Hora Svate Kateřiny erstreckt, ist das Schwarzwassertal eine Lagerstätte von Rotgneisen verschiedener Ausbildungsformen. Häufig zu finden sind geschieferte Zweiglimmergneise und Augengneise, an einigen Stellen kommen auch Graugneise vor. Historisch interessant sind die Erzgänge und Mundlöcher in den Hängen kurz nach dem Ortsteil Hinterer Grund. Sie sind Zeugen der bis in das 19. Jahrhundert vorherrschenden Bergbautätigkeit in der Region. Auch der Grüne Graben, ein historischer Kunstgraben, berichtet vom Bergbau vergangener Zeiten im Schwarzwassertal.

Seit der Gründung Marienbergs im Jahre 1521 auf Grund reicher Silberfunde und der damit verbundenen verstärkten Bergbauaktivität im Marienberger Revier wurde stark in die umliegenden Wälder des Schwarzwassertales eingegriffen. Schon im 16. Jahrhundert wurden beträchtliche Baumbestände im Zuge der Flößerei abgetrieben. Die ursprüngliche Waldgesellschaft des montanen Fichten-Tannen-Buchenwaldes veränderte sich durch die Übernutzung der Hauptbaumarten Buche und Tanne und den Anbau der Fichte Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend zu einer von Fichten geprägten Monokultur. Heute ist die ehemalige Waldgesellschaft noch an einigen Standorten in ihrer ursprünglichen Struktur zu erkennen. Charakteristisch sind die Pflanzenarten Quirlblättrige Weißwurz, Purpurhasenlattich und Große Hainsimse. Weitere gravierende Einschnitte in den Naturraum des Schwarzwassertals stellten im 20. Jahrhundert der begonnene Bau einer Talsperre bei Kühnhaide sowie der Einfluss der Luftverschmutzung auf die Waldbestände dar. Durch eine hohe Schwefeldioxidbelastung seit den 1960er Jahren in Folge der Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern, insbesondere Braunkohle, sind die Fichtenforste schwer geschädigt worden und mussten teilweise gefällt werden. Einige Standorte wurden mit gegenüber Schwefeldioxid unempfindlicheren Baumarten aufgeforstet. Im Jahre 2002 war das Tal zudem von den Auswirkungen des August-Hochwassers stark betroffen.

Das Schwarzwassertal verfügt dennoch über eine mannigfaltige Baum- und Krautvegetation. Die Ufer der Schwarzen Pockau sind mit Erlen und Weiden umsäumt und an den bodensauren Hängen des Tales gedeiht lichter Buchenwald. Er weist eine charakteristische Bodenflora mit Schattenblümchen und Eichenfarn auf. Die Täler der Seitenbäche begleiten Schlucht- und Hangmischwälder. Der Gewöhnliche Alpenlattich erreicht hier im Erzgebirge seine östlichste Verbreitungsgrenze. Auffällig leuchten im Frühjahr die Blütenstände der weißen Pestwurz. Fuchsgreiskraut und Wolliges Reitgras sind typische Begleiter des Fichtenwaldes. Heidel- und Preiselbeere überziehen die Blocksteinhalden. Von besonderem Wert sind die zum Teil seltenen Flechten- und Moosgesellschaften an den Felsen und Steinschutthalden, die im kühlfeuchten Klima gedeihen. Im Gebiet des Katzensteins und der Ringmauer wächst in feinen Gesteinsfugen das seltene Leuchtmoos.

Das Tal bietet mehr als 50 Vogelarten, von denen sich viele auf der Roten Liste Sachsens befinden, Lebensraum. Charakterarten sind das Braunkehlchen und der Neuntöter, Wasseramsel und Gebirgsstelze. In der Morgen- oder Abenddämmerung eines Vorfrühlingstages ist mit etwas Glück der tiefe Ruf des Uhus, der größten einheimischen Eule, sowie des kleinsten Nachtgreifvogels im erzgebirgischen Bergwald, des Sperlingkauzes zu hören. In den Fruchtjahren der Fichte findet man zahlreiche Fichtenkreuzschnäbel als Brutvögel im Tal. Bedeutende Schmetterlingsarten im Gebiet der Schwarzen Pockau sind Flechteneulen und der Weißbindige Mohrenfalter eine Bergwaldart, die zu den Tagschmetterlingen zählt. Die feuchten Gefilde bieten ideale Lebensbedingungen für Reptilienarten wie z.B. Kreuzotter und Waldeidechse sowie für Lurche mit Grasfrosch und Bergmolch als typische Vertreter. Vorkommen seltener Fischarten, wie z.B. der Westgroppe, kennzeichnen die hohe Wasserqualität der Schwarzen Pockau.

Das Tor zum Schwarzwassertal bildet die Naturschutzstation Pobershau, welche vom Förderverein Natura Miriquidica e.V. fachlich geleitet wird. Direkt an der Naturschutzstation Pobershau beginnt der neu instand gesetzte Naturerlebnispfad. Dieser führt durch verschiedene Biotope steil hinauf zur Stiftskanzel und weiter nach Zöblitz. Die Waldstraße im Schwarzwassertal entlang der Schwarzen Pockau lässt bis Kühnhaide alle typischen Lebensräume im Schwarzwassertal erlebbar werden. Zur Hüttstattmühle und weiter nach Ansprung gelangt man über den Pionierweg. Der Arnoldweg führt zum Aussichtspunkt des sagenumwobenen Katzensteins, weiter zur Bergschänke und nach Pobershau. Gegenüber dem Katzenstein erblickt man einen steilen, felsigen Hangsporn, der zum Rabenberg hinaufführt. Am Nordwestabfall fand man noch im 18. Jahrhundert die Ruine der Burg Liebenstein, die von den Bewohnern der Umgebung als Raubschloss bezeichnet wurde. Über den Karrenweg gelangt man zum Grünen Graben, weiter nach Kühnhaide oder zum Katzenstein.

Fotos: Naturschutzstation Pobershau/ Kay Meister

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Deutsche und tschechische Jugendliche erweiterten Naturerlebnispfad an der Naturschutzstation Pobershau

20 Gymnasiasten aus Litvinov und Olbernhau haben im Rahmen einer deutsch-tschechischen Jugendbegegnung vom 10.-15.10.2012 an der handwerklich-praktischen Überarbeitung des Naturerlebnispfades nahe der Naturschutzstation Pobershau teilgenommen. Die Stationen wurden umfassend erweitert und um zweisprachige Erläuterungstafeln ergänzt. Die Überarbeitung des bestehenden Lehrpfades war u.a. notwendig geworden, damit der Lehrpfad auch für tschechische Besucher nutzbar ist, die das Gebiet des Schwarzwassertals immer häufiger besuchen. Deutsche und tschechische Besucher gleichermaßen können sich nun über die Bedeutung von mitunter unscheinbaren Lebensräumen des Schwarzwassertals informieren und an den Erlebnisstationen die Natur mit allen Sinnen erfahren. Neben den Arbeiten am Lehrpfad hatten die Teilnehmer auch intensiv die Gelegenheit, die Schüler ihres jeweiligen Partnergymnasiums kennen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen. So brachten sich die Jugendlichen innerhalb eines deutsch-tschechischen Abends die kulturellen und kulinarischen Besonderheiten ihrer Länder näher und besuchten gemeinsam das Deutsch-böhmische Museum in Marienberg. Durch das umweltpädagogische Begleitprogramm wurde den Schülern weiterhin die Notwendigkeit von Umweltschutzmaßnahmen theoretisch und anhand von praktischen Einsätzen deutlich gemacht.

Das Projekt wurde aus dem Ziel3-Kleinprojektefonds der Euroregion Erzgebirge / Krušné hory durch die Europäische Union und den Freistaat Sachsen finanziert.